Google steht vor dem ersten Test eigener KI-Chips im Weltraum und nutzt dafür die Transportdienstleistungen von SpaceX. Im Rahmen des Forschungsprojekts „Project Suncatcher“ soll untersucht werden, ob der Betrieb von großflächigen KI-Rechenzentren im Orbit praktikabel ist. Der Start ist für nächste Woche im Rahmen der Transporter-18-Rideshare-Mission von SpaceX vorgesehen.
Der Test-Satellit mit dem Namen „MVP“ hat die Größe eines Kühlschranks und ist mit vier von Googles Tensor Processing Units (TPUs) ausgestattet, die auch in den terrestrischen Rechenzentren des Unternehmens zum Einsatz kommen. Die Solarpanels des Satelliten liefern eine Leistung von rund einem Kilowatt. Da im Weltraum die Kühlung eine Herausforderung darstellt, wird Google die Gemini-KI-Modelle auf den TPUs nur in kurzen Intervallen von etwa 15 Minuten betreiben, bevor die Chips vorübergehend abgeschaltet werden müssen, um Wärme über die Radiatoren abzuführen. In vorherigen Tests bewiesen die Komponenten Widerstandsfähigkeit gegen extreme Startvibrationen von bis zu 10g (einzelne Bauteile bis zu 100g) und hielten einer Strahlungsdosis stand, die über der Belastung einer fünfjährigen Mission liegt.
Die Kooperation zwischen Google und SpaceX basiert auch auf einer finanziellen Verflechtung, da Google rund sechs Prozent der Anteile an SpaceX hält. Beide Unternehmen verfolgen das Konzept von orbitalen Rechenzentren, jedoch mit unterschiedlicher Dynamik. SpaceX arbeitet an einem eigenen Programm auf Basis des „AI1“-Satelliten, einer rund 70 Meter großen Struktur, die auf der Starlink-V3-Hardware basiert und für eine Spitzenleistung von 150 Kilowatt ausgelegt ist – das 150-fache der Leistung von Googles MVP. Elon Musk prognostizierte auf der Plattform X, dass die Rechenleistung im All langfristig den Großteil der globalen Rechenleistung ausmachen wird. SpaceX baut derzeit die „Gigasat“-Fabrik im texanischen Bastrop auf, um bis Ende 2027 eine jährliche Produktionskapazität von einem Gigawatt an Weltraum-Rechenleistung zu erreichen.
Google agiert in seinen Prognosen zurückhaltender. Berechnungen des Suncatcher-Teams zeigen, dass die Startkosten für Satelliten auf unter 200 US-Dollar pro Kilogramm sinken müssen, damit ein orbitales Rechenzentrum bei den Energiekosten mit Bodenstationen konkurrieren kann. Google geht davon aus, dass dieser Schwellenwert erst Mitte der 2030er-Jahre erreicht wird. Bis dahin bleibt das Projekt ein reines Forschungsvorhaben.
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